Was feiern wir an Auffahrt?
An Auffahrt erinnern Christinnen und Christen an die Himmelfahrt Jesu — den Moment, in dem er nach seiner Auferstehung zu Gott zurückkehrte. Die biblische Grundlage findet sich im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte: Jesus versammelte seine Jünger auf dem Ölberg bei Jerusalem, gab ihnen den Auftrag, seine Botschaft in die Welt zu tragen, und wurde daraufhin «vor ihren Augen emporgehoben».
Im kirchlichen Kalender markiert Auffahrt das Ende der vierzigtägigen Osterzeit. Die Jünger blieben ohne ihren Lehrer zurück — und warteten auf die Sendung des Heiligen Geistes, die zehn Tage später an Pfingsten folgte. Auffahrt bildet damit die Brücke zwischen den beiden grossen Frühlingsfesten des Christentums.
Weil das Fest immer am 40. Tag nach Ostern gefeiert wird und Ostern stets auf einen Sonntag fällt, landet Auffahrt garantiert auf einem Donnerstag. Das genaue Datum verschiebt sich allerdings von Jahr zu Jahr: Der frühestmögliche Termin ist der 30. April, der späteste der 3. Juni.
Woher kommt der Feiertag?
In den ersten Jahrhunderten des Christentums feierte die Kirche Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu noch als ein zusammenhängendes Ereignis — ein eigenes Himmelfahrtsfest gab es nicht. Erst im 4. Jahrhundert, nach dem Konzil von Nicäa (325), setzte sich die Praxis durch, den 40. Tag nach Ostern als eigenständigen Feiertag zu begehen. Seit Ende des 4. Jahrhunderts ist Christi Himmelfahrt fester Bestandteil des Kirchenjahres.
In der Schweiz war Auffahrt spätestens im Mittelalter fest verankert. Das Historische Lexikon der Schweiz zählt das Fest zu den ältesten des Kirchenjahres — die dazugehörigen Bittgänge mit Prozessionen zu Wegkreuzen und Flurkapellen sind für die Schweiz seit rund 800 n. Chr. belegt.
Bemerkenswert ist, dass Auffahrt die konfessionellen Brüche der Reformation nahezu unbeschadet überstand. Während die Reformation bei vielen Feiertagen zu deutlichen Unterschieden zwischen katholischen und reformierten Kantonen führte, blieb Auffahrt auf beiden Seiten des Konfessionsgrabens erhalten. 1585 verfügte die Badener Tagsatzung zwar die Feier kirchlicher Feste nach dem neuen (gregorianischen) Kalender — den Evangelischen wurde aber ausdrücklich erlaubt, Auffahrt weiterhin nach altem Stil zu begehen. Heute ist der Feiertag konfessionsübergreifend anerkannt.
Wie wird Auffahrt in der Schweiz gefeiert?
In katholisch geprägten Regionen gehörten zu Auffahrt traditionell Bittgänge und Flurprozessionen durch Felder und Wiesen. Die Gläubigen baten dabei um Segen für Land und Ernte — ein Brauch, der in der Innerschweiz bis heute lebendig ist.
Auffahrtsumritte im Kanton Luzern
Besonders eindrücklich sind die Auffahrtsumritte, die im Kanton Luzern noch in sechs Ortschaften durchgeführt werden. Am bekanntesten ist der Auffahrtsumritt in Beromünster: Rund 200 Reiter und insgesamt über 1'000 Teilnehmende legen die 18 Kilometer lange Strecke zu Pferd oder zu Fuss zurück. Beim feierlichen Einzug in den Flecken säumen bis zu 5'000 Zuschauende die Strassen. Die Gemeinde spricht von einer über 500-jährigen Tradition.
Banntag im Baselbiet
Im Baselbiet ist der Banntag eng mit Auffahrt verbunden. In Liestal wird am Montag vor Auffahrt die gesamte Gemeindegrenze in vier Gruppen — den sogenannten Rotten — abgeschritten. Begleitet wird der Marsch von Trommeln, Pfeifen und Böllerschüssen. Im Anschluss wird an verschiedenen Grenzpunkten Wurst und etwas Flüssiges aufgetischt.
Und ein fast vergessener Brauch
In einigen Kirchen gab es früher die Tradition, während des Gottesdienstes eine Christusfigur an einem Seil ins Kirchengewölbe hinaufzuziehen — als sichtbares Bild der Himmelfahrt. Im 18. Jahrhundert wurde der Brauch vielerorts verboten, doch in der Hofkirche Luzern und in Schwyz hat er sich bis heute erhalten.
Für die meisten Menschen in der Schweiz ist Auffahrt heute allerdings vor allem eines: der Auftakt zu einem langen Wochenende. Familienausflüge, Wanderungen und Grillabende stehen hoch im Kurs. Der Freitag nach Auffahrt — die «Auffahrtsbrücke» — gehört zu den beliebtesten Brückentagen des Jahres.
In welchen Kantonen ist Auffahrt ein Feiertag?
In allen 26 — ohne Ausnahme. Es gibt keine Halbtagsregelung, keine rein kommunale Geltung und keine konfessionellen Sonderfälle. Laut Bundesamt für Justiz und SECO gehört Auffahrt damit neben Neujahr, dem Bundesfeiertag (1. August) und Weihnachten zu den einzigen vier Feiertagen mit landesweiter Geltung.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben frei, Schulen sind geschlossen, und die meisten Geschäfte bleiben zu. Geöffnet sind in der Regel Bahnhofsshops (z.B. Zürich HB Shopville), Flughafen-Geschäfte, Tankstellenshops sowie Restaurants und Ausflugsziele.
Brückentage rund um Auffahrt
Weil Auffahrt immer auf einen Donnerstag fällt, liegt der Brückentag auf der Hand: Wer den Freitag danach freinimmt, kommt auf vier zusammenhängende freie Tage. Wer es geschickt anstellt und die ganze Folgewoche dazupackt, erreicht mit nur vier Ferientagen neun freie Tage am Stück.
Brückentage-Übersicht
Ob der Freitag nach Auffahrt gewährt wird, hängt vom Arbeitgeber oder Gesamtarbeitsvertrag ab. Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht — aber viele Firmen und Schulen machen an diesem Tag zu.
Wussten Sie schon?
Im gesamten Schweizer Feiertagssystem gibt es nur vier Tage, die wirklich überall gelten. Bei allen anderen — von Karfreitag über Fronleichnam bis Allerheiligen — beginnt das grosse Zählen: Welcher Kanton feiert was, und wo gilt nur ein halber Tag? Auffahrt übersteht diesen Flickenteppich unbeschadet, obwohl sie ein christliches Fest ist.
Übrigens: In Deutschland heisst der Feiertag «Christi Himmelfahrt» und ist gleichzeitig Vatertag — mit allem, was dazugehört. In der Schweiz hat sich diese Verbindung nie durchgesetzt. Hier steht das lange Wochenende im Vordergrund, nicht die Bollerwagen-Tradition.