Was feiern wir am 24. Dezember?
Heiligabend ist der Vorabend von Weihnachten — die Schwelle zum Fest der Geburt Jesu Christi. Liturgisch endet mit dem Sonnenuntergang am 24. Dezember die Adventszeit, und es beginnt das Weihnachtsfest. Die Christmette oder Christnacht am Abend des 24. Dezember gehört deshalb streng genommen bereits zum Weihnachtsfeiertag.
Im Alltag hat sich jedoch Heiligabend als der eigentliche Höhepunkt der Weihnachtszeit etabliert — zumindest im deutschsprachigen Raum. Die Bescherung, das Festessen, der Kirchgang: All das findet für die meisten Schweizer Familien am 24. Dezember statt, nicht am 25. In englischsprachigen Ländern ist das übrigens umgekehrt — dort werden die Geschenke erst am «Christmas Day» ausgepackt.
Warum ist Heiligabend kein Feiertag?
Weil der eigentliche Weihnachtsfeiertag der 25. Dezember ist — und dieser ist tatsächlich in allen 26 Kantonen gesetzlich anerkannt. Heiligabend ist der Vorabend, nicht das Fest selbst. In der SECO-Übersicht der kantonalen Feiertage taucht er nicht auf.
Arbeitsrechtlich bedeutet das: Ohne anderweitige Regelung — sei es durch Gesamtarbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Kulanz des Arbeitgebers — ist der 24. Dezember ein normaler Arbeitstag mit normalen Arbeitszeiten. Die Realität sieht allerdings anders aus: Die allermeisten Arbeitgeber lassen ihre Angestellten spätestens am frühen Nachmittag gehen. Die «geschenkte» Zeit wird dabei in der Regel als bezahlte Arbeitszeit verbucht.
Was hat am 24. Dezember geöffnet?
Die meisten Geschäfte, Büros, Banken und Ämter schliessen an Heiligabend zwischen 12 und 16 Uhr — viele auch schon am Mittag. Der öffentliche Verkehr wird in vielen Regionen ab dem Nachmittag eingeschränkt; abends gilt vielerorts bereits der Sonn- und Feiertagsfahrplan.
Geöffnet bleiben typischerweise Bahnhofsshops, Flughafen-Geschäfte und Tankstellenshops — wie an gesetzlichen Feiertagen auch. Restaurants sind teils geöffnet, oft mit speziellen Weihnachtsmenüs und verkürzten Öffnungszeiten.
Wie wird Heiligabend in der Schweiz gefeiert?
Heiligabend ist in der Schweiz vor allem ein Familienabend. Die Traditionen sind regional unterschiedlich, aber ein paar Elemente tauchen fast überall auf:
Bescherung am Abend
In den meisten Schweizer Familien findet die Bescherung am Abend des 24. Dezember statt — oft nach dem Kirchgang oder einem gemeinsamen Nachtessen. Ob das Christkind oder der Weihnachtsmann die Geschenke bringt, variiert je nach Region und Familie.
Fondue chinoise als Weihnachtsessen
Die Schweiz hat kein einheitliches Weihnachtsgericht, aber ein Favorit hat sich über die Jahre durchgesetzt: Fondue chinoise. Das gesellige Essen, bei dem alle am Tisch stehen und gemeinsam kochen, passt perfekt zum Familienabend. In der Romandie ist eher Geflügel verbreitet, im Tessin wird oft eine grosse geschmückte Tanne im Dorfzentrum aufgestellt.
Christmette
Die Weihnachtsgottesdienste am 24. Dezember gehören zu den bestbesuchten des ganzen Jahres — auch von Menschen, die sonst nie in die Kirche gehen. Die Christmette am späten Abend oder um Mitternacht hat dabei eine besondere Atmosphäre.
Weihnachtsbaum und Krippe
Der Weihnachtsbaum kam in der Schweiz erst im 20. Jahrhundert aus den Städten in die ländlichen Gebiete. Die Weihnachtskrippe ist die ältere Tradition und reicht bis ins Mittelalter zurück.
Wussten Sie schon?
Heiligabend ist kulturell der wichtigste Abend des Jahres — aber rechtlich gesehen ein ganz normaler Donnerstag (2026). Dieses Auseinanderklaffen zwischen gefühlter und rechtlicher Bedeutung macht ihn zu einem der meistgegoogelten Themen rund um Schweizer Feiertage.
Übrigens: Dass die Bescherung in der Schweiz am 24. statt am 25. Dezember stattfindet, geht auf eine uralte Zeitrechnung zurück. In der Antike begann der neue Tag mit dem Sonnenuntergang — der Abend des 24. Dezember gehörte also bereits zum Weihnachtstag. Was sich nach Spitzfindigkeit anhört, erklärt auch, warum Halloween am Abend des 31. Oktober gefeiert wird, obwohl Allerheiligen erst am 1. November ist.