Was feiern wir an Neujahr?
Am 1. Januar feiern wir den Beginn des neuen Kalenderjahres. Es ist ein Tag des Neuanfangs, der guten Vorsätze, der Neujahrswünsche und — ehrlich gesagt — des Ausschlafens nach der Silvesternacht.
Über den weltlichen Jahreswechsel hinaus hat der 1. Januar auch eine kirchliche Bedeutung: In der katholischen Kirche ist er das Hochfest der Gottesmutter Maria — der sogenannte Oktavtag von Weihnachten, also der achte Tag nach dem Weihnachtsfest. Seit 1968 ist der 1. Januar zudem der Weltfriedenstag, an dem der Papst jeweils eine Friedensbotschaft veröffentlicht.
In der evangelischen Tradition gibt es am Neujahrstag häufig Gottesdienste mit Segenssprüchen für das neue Jahr, auch wenn der Tag kein zentrales Hochfest ist.
Warum beginnt das Jahr am 1. Januar?
Dass das neue Jahr ausgerechnet Anfang Januar beginnt, ist weniger selbstverständlich, als man denkt. Im antiken Rom wurde der Jahresanfang 153 v. Chr. auf den 1. Januar verlegt — weil an diesem Tag die neugewählten Konsuln ihr Amt antraten. Der julianische Kalender (46 v. Chr.) übernahm dieses Datum.
Im Mittelalter war die Sache dann keineswegs einheitlich: In verschiedenen christlichen Regionen begann das Jahr am 25. März (Mariä Verkündigung), am 25. Dezember (Weihnachten) oder sogar an Ostern. Erst mit der gregorianischen Kalenderreform von 1582 setzte sich der 1. Januar schrittweise als einheitlicher Jahresanfang durch. In der Schweiz übernahmen die katholischen Kantone den neuen Kalender relativ rasch; einige reformierte Gebiete hielten noch bis ins 18. Jahrhundert am julianischen Kalender fest — was auch erklärt, warum im Appenzell bis heute das Silvesterchlausen am «alten Silvester» (13. Januar) gefeiert wird.
Ist Neujahr ein eidgenössischer Feiertag?
Hier steckt eine typisch schweizerische Feinheit: Nein — Neujahr ist kein eidgenössischer Feiertag. Der einzige Feiertag, der vom Bund vorgeschrieben wird, ist der 1. August. Alle anderen Feiertage werden von den Kantonen geregelt.
Dass Neujahr trotzdem in allen 26 Kantonen ein gesetzlicher Feiertag ist, liegt daran, dass sich alle Kantone unabhängig voneinander dafür entschieden haben. Das Bundesamt für Justiz hält fest, dass dies nur bei drei weiteren Feiertagen ebenfalls der Fall ist: Auffahrt, Weihnachten und — eben — Neujahr.
In der Praxis macht dieser Unterschied für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keinen Unterschied: Frei ist frei. Aber für Juristinnen und Staatsrechtler ist es ein hübsches Beispiel für den Schweizer Föderalismus.
Wie wird Neujahr in der Schweiz gefeiert?
Neujahrsansprache
In der Schweiz hält nicht der Bundespräsident eine Rede um Mitternacht — das wäre eher das deutsche Modell. Stattdessen markiert der 1. Januar den Beginn der Amtszeit des neuen Bundespräsidenten oder der neuen Bundespräsidentin. Die offizielle Neujahrsansprache erfolgt in der Regel in den ersten Tagen des Jahres.
Neujahrskonzerte und Empfänge
Viele Städte und Gemeinden organisieren Neujahrsempfänge und -konzerte. In Zürich ist das Neujahrs-Schwimmen in der Limmat ein Spektakel für Mutige. In ländlichen Regionen ziehen Kinder und Jugendliche am Neujahrstag von Haus zu Haus und überbringen Neujahrswünsche — ein Brauch, der regional als «Neujahrsingen» oder «Neujahrswünschen» bekannt ist.
Gute Vorsätze
Die guten Vorsätze gehören zu Neujahr wie der Kater zum Morgen danach. Mehr Sport, weniger Stress, endlich Französisch lernen — die Klassiker sind international erstaunlich einheitlich. Und ebenso einheitlich ist die Erkenntnis Mitte Februar, dass es vielleicht doch nicht ganz geklappt hat.
Wussten Sie schon?
Der 1. Januar war nicht immer der Jahresanfang. Noch im 16. Jahrhundert begann das Jahr in einigen Schweizer Gebieten an Weihnachten (25. Dezember) oder an Mariä Verkündigung (25. März). Das konnte durchaus zu Verwirrung führen — etwa wenn ein Vertrag «im Jahr 1520» datiert war, aber je nach Kanton im heutigen März 1520 oder März 1521 gemeint war.
In der katholischen Kirche war der 1. Januar bis 1969 das Fest der Beschneidung des Herrn — ein Bezug auf die jüdische Tradition, nach der Jesus am achten Lebenstag beschnitten worden sein soll. Seit der Liturgiereform von 1970 ist es das Hochfest der Gottesmutter Maria.