Was feiern wir an Silvester?
Silvester markiert den letzten Tag des Jahres — den Übergang vom Alten ins Neue. Im Zentrum steht der Jahreswechsel um Mitternacht, begleitet von Anstossen, Feuerwerk, guten Vorsätzen und dem Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate. Silvester ist damit einer der wenigen Anlässe, die wirklich die ganze Bevölkerung betreffen — unabhängig von Religion, Kanton oder Sprachregion.
Der Name «Silvester» geht auf Papst Silvester I. zurück, dessen Gedenktag im katholischen Kirchenkalender auf den 31. Dezember fällt. Die heutige Feier des Jahreswechsels hat mit dem Heiligen allerdings wenig zu tun. Sie hat ältere, weltliche Wurzeln: Schon im Römischen Reich wurde der Jahresbeginn am 1. Januar gefeiert — seit 153 v. Chr., als der Senatswechsel auf dieses Datum verschoben wurde.
Warum ist Silvester kein Feiertag?
Weil der eigentliche Feiertag am 1. Januar liegt — Neujahr ist in allen 26 Kantonen ein gesetzlich anerkannter Feiertag. Silvester ist nur der Vorabend. Dieselbe Logik gilt für Heiligabend: Auch dort ist nicht der Vorabend, sondern der Festtag selbst (Weihnachten am 25. Dezember) der gesetzliche Feiertag.
Arbeitsrechtlich ist der 31. Dezember daher ein gewöhnlicher Werktag. Viele Arbeitgeber gewähren jedoch den Nachmittag frei oder regeln dies über den Gesamtarbeitsvertrag. Da Silvester in allen Kantonen in die Schulweihnachtsferien fällt, haben Schulkinder ohnehin frei.
Der Genfer Sonderfall
Eine bemerkenswerte Ausnahme: Im Kanton Genf ist der 31. Dezember tatsächlich ein gesetzlicher Feiertag — allerdings nicht wegen Silvester, sondern wegen der «Restauration de la République» (Wiederherstellung der Republik). Dieser Feiertag erinnert an den 31. Dezember 1813, als Genf seine Unabhängigkeit von Frankreich wiedererlangte. Dass Genf damit am einzigen Silvestertag der Schweiz arbeitsfrei ist, hat also historische statt festliche Gründe.
Was hat am 31. Dezember geöffnet?
Die meisten Geschäfte schliessen an Silvester zwischen 16 und 17 Uhr. Supermärkte und Discounter (Migros, Coop, Aldi, Lidl) haben oft bis 17 Uhr geöffnet, kleinere Läden schliessen teils schon früher. Restaurants und Bars haben vielfach geöffnet — oft mit speziellen Silvestermenüs und entsprechenden Preisen.
Der öffentliche Verkehr fährt am Nachmittag und Abend nach Spezialfahrplan. In vielen Städten gibt es Nachtzuschläge oder Sonderzüge für die Silvesternacht.
Wie wird Silvester in der Schweiz gefeiert?
Feuerwerk — aber dezenter als in Deutschland
In der Schweiz fällt das private Feuerwerk deutlich zurückerter aus als beim nördlichen Nachbarn. Viele Gemeinden organisieren ein zentrales Feuerwerk, und die Diskussion um Lärm, Feinstaub und Tierschutz hat in den letzten Jahren zugenommen. Einige Städte sind auf Drohnenshows oder Lichtinstallationen umgestiegen.
Silvesterchlausen im Appenzeller Hinterland
Der eindrücklichste Schweizer Silvesterbrauch findet im Kanton Appenzell Ausserrhoden statt: das Silvesterchlausen. Verkleidete Gruppen — die «Schuppel» — ziehen schon in der Morgendämmerung von Haus zu Haus, singen einen langsamen Jodel (das «Zäuerli») und wünschen ein gutes Neues Jahr. Drei Chlausentypen treten auf: die «Schöne» in fein bestickten Gewändern, die «Wüeschte» in wilden Masken aus Naturmaterialien, und die «Schö-Wüeschte» als Mischform.
Das Besondere: Im Appenzell wird Silvester zweimal gefeiert — am 31. Dezember nach dem gregorianischen Kalender und am 13. Januar nach dem julianischen «Alten Silvester». Der Grund: Einige reformierte Gemeinden lehnten die Kalenderreform von 1582 lange ab. Erste schriftliche Zeugnisse des Brauchs reichen bis 1663 zurück.
Pelzmärtiga im Berner Oberland
Im Berner Oberland treten an Silvester die «Pelzmärtiga» auf — junge Leute in gruseligen Masken und Pelzgewändern, die durch die Dörfer ziehen. Der Brauch steht in der Tradition der winterlichen Geisterbräuche, die böse Mächte des alten Jahres vertreiben sollen.
Glücksschweinrennen in Klosters
Im bündnerischen Klosters treten an Silvester zehn Schweine in einem Glücksschweinrennen gegeneinander an. Ein Brauch, der den Jahreswechsel auf eine unverkrampft-heitere Art feiert — und daran erinnert, dass in der Schweiz auch am Silvester die regionalen Traditionen vielfältiger sind, als man erwarten würde.
Wussten Sie schon?
Der Name «Silvester» ist eine deutschsprachige Besonderheit. Auf Französisch heisst es «Réveillon de la Saint-Sylvestre», im Englischen schlicht «New Year's Eve», auf Spanisch «Nochevieja» (die alte Nacht) und auf Dänisch «Nytårsaften». In der Schweiz mit ihren vier Sprachen hört man also alles auf einmal.
Und: Silvester fällt immer auf denselben Wochentag wie Heiligabend. 2026 sind beide an einem Donnerstag.